Fleischkonsum + Welthunger

Warum Fleischkonsum den Welthunger fördert

Für den stetig steigenden Fleischkonsum in den Industrienationen hungern die Menschen in ärmeren Ländern. Bis zu sechzehn Kilogramm Weizen sind notwendig, um ein Kilogramm Rindfleisch zu produzieren. Das ist extrem unökonomisch, da man mit dem Weizen deutlich mehr Menschen ernähren könnte als mit dem Fleisch. Stattdessen wird der Weizen verfüttert. Von jedem verfütterten Kilogramm wird nur ein Minimum kalorisch in Fleisch umgesetzt.

So könnte man mit Sojabohnen, die auf einem Hektar Land (das ist die Fläche von etwa anderthalb Fußballfeldern) angebaut werden, 5.000 Menschen ernähren, wenn die Sojabohnen direkt als menschliche Nahrungsmittel genutzt würden. Verfüttert man die Ernte dieser Fläche jedoch erst an Tiere, kann man von diesen Tieren nur noch 191 Menschen ernähren.

Wenn jeder auf der Erde 25% seiner Kalorien aus tierischem Ursprung bezieht, könnten insgesamt nur 3,2 Milliarden Menschen ernährt werden. Senkt man diesen Anteil auf 15%, steigt die Zahl auf 4,2 Milliarden. Würden alle vegan leben, gäbe es mehr als genug Lebensmittel für die gesamte Weltbevölkerung – mehr als 7 Milliarden Menschen.

Für den Luxus des stets verfügbaren Fleisches müssen Menschen in den ärmeren Teilen der Welt hungern. Brot für den Trog oder den Teller ist eine Entscheidung, die jeder für sich treffen muss. Die Erdbevölkerung wächst ständig und vor allem in China erhöht sich die Nachfrage nach Fleisch massiv. Was sich nicht erhöht, sind die verfügbaren Böden, auf denen wir Nahrung anbauen können. Wenn sich die Erdbevölkerung in den nächsten hundert Jahren verdoppelt und der aktuelle Fleischkonsum beibehalten wird, ist die Nahrungsmittelknappheit nicht mehr abwendbar. Irgendwann wird der letzte Wald abgeholzt sein und es werden keine neuen Ackerflächen mehr entstehen, auf denen man Weizen, Mais und Soja für die Futtermittelindustrie anbauen könnte. Wenn wir unser Konsumverhalten nicht ändern, kehrt der Hunger nicht nur in der Form in die Entwicklungsländer zurück, wie es 2008 während der sogenannten „Brot-Proteste“ von der westlichen Presse beinahe unbeachtet bereits geschehen ist, dann kommt der Hunger auch zurück nach Europa. Die weltweite Nachfrage nach Futtermitteln treibt die Preise nach oben und die Menschen in weniger wohlhabenden Ländern können sich ihren Reis, Mais oder Weizen kaum noch leisten. Derzeit hungern fast eine Milliarde Menschen.

Für ein Kilogramm Rindfleisch werden zudem bis zu 15.000 Liter Wasser benötigt. Ungefähr zwei Milliarden Menschen verfügen nicht über sauberes Trinkwasser. Der wohlhabende Teil der Weltbevölkerung nimmt sich das Recht, auf Kosten dieser Menschen zu konsumieren.

Warum Fleischkonsum Menschen in Armut stürzt

Durch den steigenden Bedarf an Futtermitteln steigen in den Ländern mit den größten Anbauflächen vor allem in Südamerika immer mehr Bauern auf genmanipulierte Pflanzen um, zum Beispiel von Monsanto oder Syngenta. Diese versprechen einen höheren Ertrag, sind häufig sehr robust bei Wasserknappheit und das Pestizid, welches nur allen anderen Pflanzen schadet, aber nicht den Setzlingen, liefern die Gentech-Konzerne direkt mit. Leider geraten die Bauern damit in eine fatale Abhängigkeit zu diesen Firmen, denn die Saaten sind genetisch nur für einen bestimmten Zeitraum ausgelegt, man kann daraus kein eigenes Saatgut züchten. Danach müssen die Bauern erneut kaufen- und bezahlen. Wollen sie den Ertrag halten und konkurrenzfähig bleiben, wird es dementsprechend immer teurer. Außerdem werden häufig spezielle Geräte gebraucht, um die Produkte zu verwenden, die ebenfalls sehr kostspielig erworben werden müssen.

Fleischabfälle, die man in Europa nicht loswerden würde (zum Beispiel Schnäbel, Flügel oder Füße), überschwemmen zudem vor allem in afrikanischen Ländern zu Niedrigpreisen die Märkte. Lokale Kleinbauern können mit ihren teureren Preisen nicht mithalten und werden verdrängt. Wir nehmen uns den Weizen aus diesen Ländern, der ihre Böden verödet, und geben ihnen unsere Abfälle, die dort zu Arbeitslosigkeit führen. Noch mehr Menschen geraten in die Armutsspirale.

Veganismus ist also eine Frage der sozialen Gerechtigkeit – weltweit.

Empfehlenswerte Literatur: „Kein Brot für die Welt“ von Wilfried Bommert