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Hamburg: Polizei ermittelt gegen Tierheim-Chef

Billige Wohnung auf Sylt aus Tierfreund-Erbe: Poggendorf taucht nach Abendblatt-Bericht ab.

Von Ulrich Gaßdorf

 

So berichtete gestern das Abendblatt
− umgehend reagierte die
Polizei.

So berichtete gestern das Abendblatt − umgehend reagierte die Polizei. Foto: HA

 

Das Hamburger Landeskriminalamt hat nach Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft gegen Wolfgang Poggendorf (70), den Vorsitzenden des Hamburger Tierschutzvereins (HTV), ein Ermittlungsverfahren eingeleitet (Az.: 511/1K/490732/07). Es geht um den Verdacht der Untreue. Das bestätigte Polizei-Sprecherin Ulrike Sweden dem Abendblatt. Untreue wird mit Haft bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe geahndet.

Das Abendblatt hatte gestern exklusiv berichtet, dass Wolfgang Poggendorf eine rund 34 Quadratmeter große Einzimmerwohnung in bester Lage auf Sylt erworben hatte. Verkäufer war der Tierschutzverein. Die Immobilie hatte ein Ende März verstorbener Tierfreund dem HTV vererbt. Nach eigenen Angaben hat Poggendorf dafür 111 000 Euro bezahlt. Ein sehr günstiger Preis. "Für diese Wohnung kann gut ein Kaufpreis von 240 000 Euro erzielt werden", sagt Makler Thorsten Eberle aus Westerland.

Poggendorf selbst hatte sich verteidigt - der Kaufpreis sei marktüblich. Gestern tauchte er dann ab, war den ganzen Tag über weder zu Hause noch beim HTV zu erreichen. Der Tierheim-Chef gerät zunehmend unter Druck, auch aus den eigenen Reihen. Wolfgang Apel, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, sagte: "Durch diesen Vorgang hat der Tierschutz einen großen Schaden genommen. Es muss ausgeschlossen sein, dass Mitglieder des Vorstandes Immobilien oder sonstige Gegenstände aus Erbschaften erwerben." CDU-Tierschutzexperte Michael Fuchs forderte Poggendorf zu Konsequenzen auf: "In seinem eigenen Interesse sollte er sein Amt bis zum Ende der Aufklärung ruhen lassen. Bis dahin gilt die Unschuldsvermutung." Der Senat hat den Tierschutzverein 2006 mit rund 1,6 Millionen Euro aus Steuergeldern unterstützt. Immer wieder gab es Kritik wegen mangelnder Transparenz der Vereinsfinanzen.

Im aktuellen Fall hatte sich der HTV offenbar gar nicht darum bemüht, die Sylter Wohnung zu einem guten Preis zu verkaufen. Der Hamburger Diplomingenieur Klaus Allendorf sagte dem Hamburger Abendblatt, er habe mehrfach sein Kaufinteresse bekundet. "Ich hätte deutlich mehr Geld bezahlt, als es Poggendorf getan hat." Der HTV habe aber nie reagiert.

erschienen am 20. Juli 2007
 

Impressum

Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen,  wie sie ihre Tiere behandelt. Mahatma Ghandi

Aktualisiert am
13.02.2011
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Feb 04 - Feb 11