Münster [DE] - 2003

Fünf Monate lang arbeitete ein Aktivist der BUAV (British
Union for the Abolition of Vivisection - Britische
Vereinigung zur Abschaffung von Tierversuchen) namens
»Markus« als Laborassistent bei dem Unternehmen Covance in
Münster. Dieses Labor testet fast ausschließlich an
nicht-menschlichen Primaten. Es besitzt annähernd 2000
Makaken-Affen (Macaca mulatta), Langschwanz-Makaken (Macaca
fasicularis) und gewöhnliche Weißbüschelaffen (Callithrix
jacchus) zur Testung von Toxizität.
Markus war hauptsächlich für die Makaken zuständig (welche
aus Mauritius, China und Vietnam importiert werden) und
wurde dabei Zeuge der Qualen, welche die Affen (darunter
auch hochschwangere Weibchen) durch die abscheulichen
pharmazeutischen Toxizitäts-Testreihen Tag für Tag erleiden.
Es war eine zermürbende Herausforderung für ihn, in eine
Welt einzutauchen, wo Tiere mit herzloser Gleichgültigkeit
behandelt, von den Mitarbeitern gequält, voneinander
getrennt, isoliert in kalten Käfigen gehalten und gewaltsam
mit Pharmaka vollgepumpt werden, bis sie schließlich
sterben.
Gewalt
Den Eindruck, den Covance Münster eindeutig versucht, auf
ihrer Website zu vermitteln, ist der eines professionellen
Betriebs mit hochqualifizierten Mitarbeitern.
Auf der Website prahlen sie mit »die Grundlage unseres
Erfolgs ist die Erfahrung unserer wissenschaftlichen
Mitarbeiter. Wir sind stolz auf unsere Mitarbeiter.«
Wir bezweifeln stark, dass Covance Münster annähernd so
stolz auf das offensichtlich unprofessionelle und
abgestumpfte Verhalten von einigen ihrer Mitarbeiter sein
dürfte, wie es von der BUAV der Öffentlichkeit dargelegt
wurde. Die EU-Direktive 86/609 besagt, dass Labormitarbeiter
sowohl qualifiziert als auch »mitfühlend, behutsam und
sicher im Umgang mit Tieren« sein müssen. Über die Jahre hat
die BUAV immer wieder aufgezeigt, dass Mitgefühl und Mitleid
routinemässig in Tierversuchslaboratorien nicht vorhanden
sind; wie könnte es auch anders sein bei Menschen, die dazu
bezahlt werden, Tieren täglich Leid zuzufügen? Covance
Münster ist hier keine Ausnahme; viele ihrer Mitarbeiter
waren in einer hochgradig bedrohlich wirkenden Atmosphäre
körperlich und verbal aggressiv zu den Tieren.
Einzelhaft
Bei ihrer Anlieferung bei Covance, werden die meisten Affen
geradewegs in einzelne im Gebäudeinneren befindlichen
Quarantänekäfigen verbracht, wo sie über einen Zeitraum von
zwei bis 4 Wochen Tag für Tag isoliert voneinander
verbringen. Diese Käfige sind nur 60 cm hoch, 40 cm breit
und 40 cm tief.
Danach werden die Affen zu »Versuchs«-käfigen gebracht. Hier
werden ihnen einige wenige cm mehr zugestanden – 80 cm hoch,
60 cm breit und 60 cm tief für die meisten der
Langschwanz-Makaken und 90 x 70 x 70 cm für die Rhesusaffen
und einige der größeren Langschwanz-Makaken. Gemäß der EU
Gesetzesrichtlinien ist dies nicht mehr als das absolute
Minimum an empfohlener Käfiggröße.
Auch, wenn man die Richtlinien außer acht lässt, gibt es
keinen Zweifel, dass die Unterbringung in solch winzigen
vergitterten Einzelzellen eine schwerwiegende Entmündigung
und Entrechtung der Tiere darstellt. In ihrem natürlichen
wilden Lebensraum ist ihr Wohnraum in der Regel 200 bis 400
Hektar groß. Gruppen können jeden Tag mehrere Kilometer
zurücklegen.
Experimente
Die Affen bei Covance sind nicht nur andauernden
fürchterlichen Bedingungen ausgesetzt, sondern auch einer
Routine täglicher schmerzvoller und peinigender Prozeduren,
während der sie grob behandelt und festgehalten und
zwangsgefüttert werden. Sie bekommen Pharmaka durch eine
Schlundsonde verabreicht, bekommen Substanzen für
Giftigkeitsversuche gespritzt und werden anhand von
Plastik-Vorrichtungen bewegungsunfähig gemacht, die man auch
als »Primaten-Stühle« kennt. Tag für Tag sind ihre Leben ein
ganzer Katalog von Leid.
Verbale Gewalt
Einige Mitarbeiter frustierte und ärgerte es, wenn die Affen
nicht sofort »ihrer Pflicht nachkamen« während der
Verabreichung von Substanzen oder anderen Tests. Wenn es zum
Beispiel bei der Blutabnahme Probleme beim Auffinden einer
Vene gab oder die Kanüle zur Sondenfütterung nicht in den
Hals rutschen wollte, verloren die Mitarbeiter regelmäßig
die Beherrschung und fingen an zu fluchen und die Makaken
anzuschreien.
In einigen Bereichen herrschte ein generelles bedrohliches
Verhalten mit Verbalattacken gegen die Tiere, sogar durch
weitere dienstältere Mitarbeiter, die den Missbrauch
tolerierten oder sich sogar daran beteiligten. Auf dem Video
kann man eine weibliche Technische Assistentin »Arschloch,
Arschloch, Arschloch« singen hören, während sie eine Kanüle
gewaltsam in den Rachen des Affen einbringt. Bei einer
anderen Gelegenheit wiederholt sie immer wieder die Worte
»Er ist böse, er ist böse, er ist böse«.
Diese Assistentin wurde auch dabei gefilmt, wie sie ihren
Ärger an einem Affen ausließ, weil sie es nicht schaffte,
die Kanüle richtig in den Rachen des Affenweibchens
einzuführen. In einem weiteren Fall, während es zu Problemen
bei der Blutabnahme an einem Affen kam, kann man die gleiche
Assistentin folgendes sagen hören: »Kann jemand dieses
beschissene Tier mal festhalten.« Als der Affe anfing sich
freizustrampeln, ließ sie seinen Arm los, zeigte auf ihm und
schrie: »Er wollte mich schlagen!« Nachdem der vor Schreck
gelähmte Affe energisch geschüttelt und von dem Techniker
angeschrien wurde (»Bist Du blöd oder was? Du gottverdammter
Bastard«), drohte die weibliche Assistentin dem Affen mit
einer Injektionsspritze mit den Worten »Das merke ich mir«.
Bei weiteren zahlreichen Gelegenheiten, enthielten die
Verbalattacken der Mitarbeiter Wutausbrüche wie »Leg Dich
hin, oder ich zerschmettere Dir den Kopf«, »Fuck off. Leg
Dich hin«, »Du kleines Dreckstück. Mein Gott, fass mich
nicht an. Ich hasse das«.
Tagebuch
Aus dem Tagebuch des eingeschleusten Journalisten:
»Die Neuankömmlinge wurden ins Labor gebracht. Sie waren
zu sechst oder acht in einem Käfig. Sie waren extrem
verängstigt. Man konnte deutlich die Panik in ihren Augen
sehen. Sie hielten sich verzweifelt aneinander fest und
schrien laut auf, als sie mit Gewalt einer nach dem anderen
aus dem Käfig gezerrt wurden. Manchmal wehrten sie sich so
sehr, dass die Käfigtür beim Herausholen zuschlug und dabei
ihre Schwänze abtrennte.*
Der gesamte Ablauf war wie am Fließband. Als erstes
wurden die Affen narkotisiert und auf ihrer Brust tätowiert.
Dann wurde ihr Bauch aufgeschnitten und eine Endoskop mit
einer Kamera-Linse eingeführt, um die inneren Organe zu
untersuchen. Es wurden keine Schmerzmittel verabreicht, ehe
die Tiere in einen kleinen Metall-Käfig kamen, der während
der kommenden Wochen ihr Zuhause sein sollte.
Die Käfige bestanden aus blankem Metall. Langsam wachten
die Affen aus ihrer Narkose auf. Oftmals taumelten sie
umher, wurden wieder ohnmächtig und brachen zusammen, wobei
sie ihre Köpfe an den Metallgittern aufschlugen. Sie
erwachten unter der lauten Musik und dem Rufen der
Mitarbeiter. Durch ihre Todesangst gerieten die Affen in
einen Schockzustand und saßen bewegungslos und still in
ihrem winzigen Gefängnis. Dieses wurde nun zu ihrer Hölle.
Ich empfand die Arbeit in der Abteilung für
Vermehrungs-Toxizität als extrem belastend. Die Abteilung
war voller schwangerer Weibchen und Müttern mit ihren
Kindern. Die Käfige waren ebenso leer wie die der anderen
Affen. Die Babies wurden regelmäßig gewaltsam von ihren
Müttern getrennt, um gewogen zu werden und die Blutwerte zu
bestimmen. Die Mütter versuchten verzweifelt, ihre Jungen zu
beschützen, schrien laut auf und warfen sich gegen die
Käfigwände. Es war wirklich schmerzhaft, die Verzweiflung in
den Augen der Mütter zu sehen, während sie gegen das
Unausweichliche kämpften. Zwei Laborassistenten rissen
Mutter und Kind buchstäblich auseinander, indem sie an ihren
Schwänzen und Armen zogen.
Jeden Tag wurden Hunderte von Affen mit Testsubstanzen
behandelt. Einmal beobachtete ich, wie die anderen
Assistenten herumstanden, lachten und Witze machten und mit
den Forschern redeten, während sie einem Affen nach dem
anderen die Substanzen verabreichten. Im Hintergrund war die
Musik laut aufgedreht. Ein Affe wiedersetzte sich, woraufhin
der Assistent aggressiv wurde und den Affen schüttelte,
welcher laut aufschrie. Die Untersucherin hatte Probleme
damit, die Röhre den Hals des Affen hinunterzuschieben. Sie
plauderte mit den Assistenten und bewegte sich zur Musik.
Der Assistent, welcher das Tier festhielt, begann, es im
Rhythmus der Musik aus dem Radio zu bewegen. Schließlich
gelang es ihr, die Röhre tief genug hineinzuschieben und das
Mittel in den Magen zu pumpen. Der Affe schien in einen
Schockzustand zu verfallen und hörte auf, sich zu wehren.
Nur in seinen Augen war Angst und Panik zu erkennen. Nach
der Verabreichung des Mittels warf der Assistent, der den
Affen nur in einer Hand hielt, das Tier buchstäblich zurück
in dessen Käfig, wodurch die Tür laut zuknallte.«