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Kieler Nachrichten vom 30.05.2008 01:00:00  «

Weiter Streit um Vogelschutz

Ist die Trauerseeschwalbe auf Eiderstedt in Gefahr? Auch Umwelt- und Landwirtschaftsminister Christian von Boetticher ist mit der aktuellen Brutsituation „unzufrieden“.
Ist die Trauerseeschwalbe auf Eiderstedt in Gefahr? Auch Umwelt- und Landwirtschaftsminister Christian von Boetticher ist mit der aktuellen Brutsituation „unzufrieden“.

 
Kiel – Erst sollten es 19000 Hektar sein, dann nur noch 2800. Nun will das Land auf Druck der EU schlussendlich eine Fläche von 7000 Hektar für den Vogelschutz auf Eiderstedt melden. Gestritten wurde gestern im Landtag trotzdem, und zwar heftig – so wie immer bei diesem Thema.
Für die zwölf Brutpaare bei Westerhever kommt die erneute Debatte um den Vogelschutz zu spät. Der Naturschutzbund Schleswig-Holstein beklagte bereits vergangene Woche, dass der größte Brutplatz der Trauerseeschwalbe inzwischen verwaist ist und sprach von einem „Vernichtungsfeldzug“.
Nicht weniger drastisch äußerte sich gestern auch der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag, Karl-Martin Hentschel: Was seit der Amtsübernahme von Umwelt- und Landwirtschaftsminister Christian von Boetticher auf Eiderstedt passiert ist, „grenzt an unterlassene Hilfeleistung“. Dort könne man beobachten, „wie Artensterben in der Praxis funktioniert“. Scharfe Kritik auch an der Vorgehensweise bei der Meldung der Schutzgebiete: Der Minister habe den Landwirten „vorgegaukelt, dass eine Ausweisung gar nicht nötig sei“. Später habe er dann eine „Minigebietskulisse“ ausgewählt, „von der jeder Fachmann wusste, dass sie keine Chance hat“.
Fakt ist: Von Boettichers Amtsvorgänger Klaus Müller von den Grünen hatte seinerzeit ein Feuchtgebiet von rund 19000 Hektar im Blick gehabt, war mit diesem Plan aber auf erbitterten Widerstand an der Westküste gestoßen. Nach der Landtagswahl strich CDU-Mann von Boetticher die Gebietskulisse zusammen und meldete drei Einzelflächen von insgesamt nur 2800 Hektar an. Auch das ging nicht gut. Die Europäische Kommission drohte zunächst mit einer Klage und forderte schließlich im April ultimativ, das Schutzgebiet auf 7000 Hektar auszuweiten. Schelte gab es dafür gestern auch vom Koalitionspartner. Der Minister handele nur „auf Weisung“, kritisierte der SPD-Umweltpolitiker Konrad Nabel, der sich in seiner Skepsis bestätigt sah. „Wir haben immer gesagt: Das Gebiet ist zu klein.“ Was den Abgeordneten noch mehr in Rage brachte: Die Ausweisung sei nicht auf Grundlage einer naturschutzfachlichen Beurteilung erfolgt. Vielmehr hätten Bundeskanzleramt und EU-Kommissar Stavros Dimas zuvor ein „politisches Einvernehmen“ erzielt.
Von Boetticher wertete das Ergebnis dagegen als Erfolg. Erstmals sei es gelungen, die Brüsseler Behörde zu einer Konkretisierung ihrer Nachforderungen zu bewegen. Damit hätten die Spekulationen ein Ende und das Meldeverfahren könne „in die letzte Runde gehen“. Mit Blick auf den Rückgang der Trauerseeschwalbe um etwa 30 Prozent zeigte sich auch von Boetticher unzufrieden, sah aber keinen Grund für „Horrorszenarien“. Er räumte ein: „Es gibt Fehler vor Ort. Die stellen wir ab.“ Der Minister kündigte an, den Grünlandumbruch unverzüglich zu stoppen. „Wir wissen, dass es einige gibt, die meinen, sie müssten die Zeit ausnutzen.“ Zugleich wies er die Kritik der Grünen zurück: „Mein Vorgänger hatte mit völlig überzogenen Vorstellungen die Menschen gegen den Naturschutz aufgebracht“, erklärte von Boetticher, der von CDU und FDP lebhaft unterstützt wurde.
Lars Harms vom SSW gab etwas anderes zu bedenken: Weder Landesregierung noch Landwirte hätten sich bisher Gedanken darüber gemacht, wie es weitergehen soll, wenn das Schutzgebiet doch vergrößert werden muss. „Jetzt stehen wir vor einem Scherbenhaufen.“
Von Bodo Stade
 

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Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen,  wie sie ihre Tiere behandelt. Mahatma Ghandi

Aktualisiert am
30.08.2010
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